1956 – 1957

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Aufbruch zu neuen Zeiten – Neubau der „Neudörfler Möbelfabrik Karl Markon“

Erinnerungen an die 1950er Jahre

Der spätere Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Josef Posch erinnert sich an die Aufbruchsstimmung in den 1950er Jahren: „Ich hab‘ noch im alten Betrieb begonnen. Da hat es noch Trockenkammern gegeben, das war die unangenehmste Arbeit, da hast du bei 70, 75 Grad Holz schlichten müssen – und da hat es in der Neudörfler Möbelfabrik Chancen gegeben für so manche Familie – ich hab‘ selber dazu gehört. Da haben wir uns angestellt, und der Meister ist gekommen, und hat gesagt, ‚heut‘ brauch‘ ich fünfe, brauch‘ ich niemand, brauch‘ ich fünfzehn‘. – Ich glaub‘, es gibt keinen, der so viele Stufen auf der Leiter erklommen hat, von der Hofpartie bis zum Ladlschleifen, bis zu der Spritzerei, ich war Privatchauffeur, ich bin ein Jahr mit dem Möbelwagen gefahren, ich war Möbelpacker, am Schluss war ich dann schon Geschäftsführer der Filiale in Wien – und ganz zum Schluss war ich Vorsitzender des Aufsichtsrates.“

Gertraud Gabriel, von 1970 bis Ende der 1990er Jahre Prokuristin und „rechte Hand“ von Karl Markon: „In die Firma eingetreten bin ich am 15. Dezember 1952, noch in dem alten Werk unten, im ‚Rawe-Bau‘, als Aushilfsbürokraft – so hat man das damals genannt – und zwar für sechs Wochen, na, und aus diesen sechs Wochen sind dann 46 Jahre und Etliches geworden. Ich hab‘ einfach die Entwicklung der Firma fast zur Gänze mitgemacht, und ich hab damals in einem kleinen technischen Büro gearbeitet, am Ende der Halle war ein Kammerl, und die Geschäftsleitung war vorne.

Dann war die große Übersiedlung, und dann bin ich halt auch durch alle Abteilungen gewandert, die das Haus gehabt hat und bin dann Sekretärin geworden, und 1970/71 hat er mich zur Einzelprokuristin gemacht, was ja eigentlich für eine junge Frau sensationell war. Die Aufgabengebiete sind einfach gewachsen, mit der Position.“

Bis Mitte der 1950er Jahre wurde am alten Standort improvisiert. Die beengten Verhältnisse – mittlerweile zählte der Betrieb 137 Mitarbeiter – und die Bedingungen des Mietvertrages stellten ein latentes Problem für die Firma dar, die 1955 unter dem Namen „Neudörfler Möbelfabrik Karl Markon“ mit dem Alleininhaber Karl Markon in das Handelsregister eingetragen wurde. Die Gemeinde Neudörfl unterstützte das Projekt eines Neubaus, die Burgenländische Landesregierung sprach eine Landeshaftung für einen Kredit über vier Millionen Schilling aus, und mit dieser finanziellen Unterstützung ausgestattet konnte zwischen September 1956 und Mai 1957 eine moderne Möbel-Fabrik am heutigen Hauptstandort errichtet werden.

Der Neubau war auch der Startschuss zur industriellen Serienproduktion im großen Stil. In der Folge wurde im Jahr 1961 ein Speisesaal für 190 Personen und eine Betriebsküche eingerichtet, die für eine regelmäßige (Mittags-) Verpflegung der Mitarbeiter garantierte. 5,- Schilling kostete das Mittagessen, das hier täglich frisch gekocht wurde, und der außerordentlich niedrige Preis blieb bis zum Ausscheiden von Karl Markon Mitte der 1990er Jahre unverändert. Die soziale Ader des eingefleischten Sozialdemokraten Markon wird auch noch heute von allen, die ihn persönlich kannten, hervorgehoben.

Bürgermeister Dieter Posch erzählt: „Im Raimundtheater, hat er Vorstellungen aufgekauft und ist mit der ganzen Belegschaft hingefahren, weil er gesagt hat: ‚Der Arbeiter braucht auch Kultur!‘. – Als noch keine Rede war von der Gefahr von ‚Alkohol am Steuer‘, hat er Mitarbeiter von der Weihnachtsfeier heimführen lassen.“

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