Was ist Licht?
Licht ist ein seltsames Zwitterwesen. Es ist einerseits eine elektromagnetische Welle und gleichzeitig besteht es aus Photonenteilchen (die aber keine Masse haben). Soweit es den sichtbaren Teil der Welle, das was wir Licht nennen, betrifft, liegt deren Bereich auf dem Frequenzband, das von ‚seeehr laaaaang’ bis ‚gnz krz’ reicht, irgendwo in der Mitte zwischen Radioaktivität und Radioempfang.
Hauptlichtquelle ist die Sonne. Sie liefert auch die für Flora und Fauna beste Lichtqualität, was wahrscheinlich „nur“ daran liegen dürfte, dass das irdische Leben ‚natürlich’ auf die Sonne geeicht ist. Sonnenlicht umfasst das gesamte sichtbare Frequenzband recht gleichmäßig, strahlt aber wesentlich breiter. Nach „links/lang“ hin zur Radioaktivität hinein in den Röntgenbereich, nach „rechts/kurz“ noch über die UV-Strahlung hinaus.
Moderne Lichtberatung
Seit den 1980er Jahren ist Prof. Fischer in Sachen Licht unterwegs. Bei mehr als vierzig Büro- und Industriegebäuden, bei Banken, Botschaften, Ministerien, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, sowie Siedlungs- und Wohnprojekten hat er bislang als Lichtberater fungiert. Die Summe seiner Erfahrungen komprimiert er für die moderne Lichtberatung auf drei Punkte:
1. „Licht ist Zeit, Rhythmus und Wandel. Daher sollte man nach Möglichkeit mit Lichtsteuerungen arbeiten die dem Tagesrhythmus folgen. Ein ganz großer Luxus wäre eine Lichtsteuerung im Jahresrhythmus.
2. Licht ist Farbe. Fürs menschliche Wohlbefinden braucht es alle Farben des Spektrums. Unbedingt das richtige Leuchtmittel wählen und, noch wichtiger, schädliche vermeiden.
3. Licht ist Szene im Raum, man muss nicht alles gleich hell ausleuchten. Eine gewisse Helligkeits-Dunkelheits-Abfolge ist für das Auge gut. Es ist sinnvoll zu überlegen wie man mit Licht Szenen im Raum gestalten kann. Ja, und natürlich: Blendung vermeiden.“
1. Licht ist Rhythmus
Dass der Tagesrhythmus des Menschen auch vom natürlichen Lichtrhythmus gesteuert wird ist ebenso klar wie allgemein unbekannt. Den Großteil des Lebens wird der Mensch heutzutage von Kunstlicht beschienen – und das kümmert sich meist nicht um Lichtrhythmen. „Das Kunstlicht in unserer heutigen technologischen Entwicklungshöhe könnte den natürlichen Lichtrhythmus komplett nachspielen. Dieser Rhythmus wurde uns in 5 Millionen Jahren Evolution anerzogen und dadurch genetisch festgelegt. Wir brauchen den Tag und die Nacht und wir brauchen bestimmte Lichtqualitäten zu bestimmten Tageszeiten.
Biologisch ist es so, dass mit dem ersten Lichtstrahl, der unser Auge in der Früh trifft, der Körper den Tagesrhythmus beginnt. Daraufhin finden gewaltige Umstellungen statt. Im Zuckerspiegel, im Wasserhaushalt, im Blut, im ganzen Körper ändern sich zahlreiche Parameter. Der Körper springt auf Morgenlicht, das ein nicht sehr helles und jedenfalls warmfarbiges Licht ist, geradezu an. Im Laufe des Tages zieht das Sonnenlicht dann eine Kurve über die Mittagszeit in den Abend hinein, bei der sich die Lichtqualität verändert, sowohl in der Helligkeit, als auch in der Lichtfarbe. Dabei gibt das Licht dem Körper ständig Impulse. Das Licht steuert unsere Tageskonzentration, -leistung, -gemütsstimmung. Bekanntestes Beispiel für die Lichtwirkung ist wohl die so genannte Winterdepression.“
2. Licht ist Farbe
Ganz logisch also, dass gegen Winterdepression Weißlicht eingesetzt wird, etwa im Rahmen einer Lichttherapie im Wiener AKH. Manche Firmen bieten ihren Mitarbeitern neuerdings „Lichtinseln“, an. Dort kann man sich mit Licht aufladen. Leute, die im Tunnelsystem arbeiten müssen, gehen anschließend unter die Lichtdusche. Soweit ein kurzer Ausflug in die Welt des Weißlichts.
„Jeder einzelne Teil des Weißlichtes ist Farbe. Nehme ich einzelne Farben mit einem Filter heraus, dann tritt der farbpsychologische Effekt des Lichtes ein. Wir wissen, dass alle Warmfarben den Nervus Sympathikus erregen, also den Nerv, der für Konzentration, Reaktion und Wachheit zuständig ist. Wenn beim Autofahren der Vordermann bremst und ich das rote Bremslicht sehe, dann aktiviert sich auch durch die Farbe Rot die Nervenkraft, die Pupille verengt, die Atmung wird schneller, die Reaktionsbereitschaft wird größer – diese ganzen aufbauenden, anregenden Funktionen kommen aus den rötlich-gelben Lichtern. Der entspannende Teil, Blau und Grün lässt den Nervus Sympathikus völlig in Ruhe und spricht den Nervus Parasympathikus an. Es entsteht Ruhe, Entspannung, Ausgeglichenheit.“
Abgesehen davon kann farbiges Licht auch einfach nur schön, bzw. interessant sein. Auch nicht schlecht.
3. Licht ist Szene im Raum
Der nächste Punkt, das gleiche Stichwort: Konzentration. Stark simplifiziert gesagt: Das Auge schaut gerne. Sind die äußeren Umstände ungünstig, z.B. bei Stroboskoplicht, ermüdet das Auge. Gibt es nix zu schauen ist dem Auge schnell langweilig. Präsentiert man den Sehnerven hingegen etwas Interessantes in angenehmer Umgebung, wird man mit Aufmerksamkeit und Konzentration belohnt.
„Licht am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, in der richtigen Dimensionierung, hebt das Verkaufsinteresse, z.B. in Geschäftslokalen. Es hebt aber auch die Motivation und die Konzentration. Dazu muss das Licht natürlich die richtige Zusammensetzung (möglichst das gesamte sichtbare Spektrum) haben und es sollte interessante Lichtszenen geben.
Die dunkle Höhle und der paradiesische Palast
„Bei Verkaufsräumen haben sich dabei zwei verschiedene Strategien herauskristallisiert. Das ist zum einen die Inszenierung als – im übertragenen Sinne formuliert – knisternde, spannungsgeladene Höhle. In der „Höhle“ treten einzelne Warengruppen oder einzelne Kommunikationsbereiche aus der relativen Dunkelheit durch Lichteffekte mit zielgerichteten Spots hervor.
Der Lichtpalast ist die andere Art von Inszenierung. Man kommt ins Lichtparadies, alles ist hell, und das zuviel an Helligkeit hat etwas Strahlendes. Das ist dieses Paradiesische.“
Auch wenn sich jetzt Manchen noch immer nicht das Paradiesische eines Baumarktes oder das Spannungsgeladene eines höhlenartigen Kurzwarengeschäfts erschließt, so ist doch eines ganz klar: Mit Licht kann man wesentlich mehr machen als es nur einzuschalten.