Der Werkstoff Holz und seine Besonderheiten

Aus ein paar Stücken Holz wird eine wundervolle Gitarre. Vorausgesetzt der Gitarrenbauer ist gut. Und vorausgesetzt das Holz ist gut. Ein Besuch in der Werkstatt des Gitarrenbauers und Gitarristen Gottfried Gfrerer.

Unter einer Gitarrenbauwerkstatt stellt man sich einen recht vollgerümpelten, mit Holzspänen überzuckerten Raum vor. So gesehen ist die Werkstatt von Gottfried Gfrerer eine echte Enttäuschung. Hier sieht es eher aus wie in einer k. u. k. Arztpraxis für Gitarren. Das liegt zum einen daran, dass er mit seiner Werkstatt Untermieter in einer Altbauwohnung ist, die wirkt, als lebe dort jemand, dessen Kalender das Jahr 1912 zeigt. Der andere Grund ist, dass Gfrerer ein ordnungsliebender Mensch auf einer ganz besonderen Mission ist: Die Resonatorgitarre mit dem bestmöglichen Klang zu bauen.

 

Jeder Raum klingt mit

Wer kennt das nicht? Man freut sich darauf endlich seine Lieblingsmusiker live zu erleben und dann versinkt alles in einem unidentifizierbaren Soundbrei. Sicher, guter Raumklang ist nicht alles, aber ohne guten Raumklang ist alles Nichts. 

 

Guter Klang ist zwar physikalisch erklärbar, aber derart komplex, dass man mit Bauchgefühl und Erfahrung besser fährt, als mit Berechnungen. Es gibt Räume, in denen ein Instrument entsetzlich klingen muss, weil das Instrument ein bestimmtes Frequenzspektrum aussendet, das mit dem Raum nicht kommuniziert. Andererseits kann ein sehr gutes Instrument in einem guten Raum schlecht klingen, weil es dann wie übersteuert, eben hyperfein klingt. 

 

Es ist ein allgegenwärtiges Phänomen über das man sich normalerweise keine Gedanken macht. Als Gitarrenbauer und Musiker macht Gfrerer sich darüber sehr viele Gedanken, aber er meint es keinesfalls resignativ wenn er sagt: „Klang ist eben immer eine Mischung aus Raum- und Instrumentenklang.“ Denn gleich fügt er energisch hinzu: „Es gibt immer zahlreiche Wege um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen.“

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Zitat

„Man ist am Tag nicht lange fähig Klang zu beurteilen.

In der Früh hört man wenig Bässe, dafür mehr Höhen und Mitten. Im Laufe des Tages kehrt sich das um.“

Gottfried Gfrerer

Die anspruchsvollen Holzwege 

Die meisten dieser Wege sind, nunja, Holzwege, anspruchsvolle obendrein. Auch im Instrumentenbau ist die Arbeit mit diesem vielseitigen Werkstoff sehr anspruchsvoll, denn „jedes Stück Holz ist anders. Es gibt Fichtenholz mit 10 Jahren auf einem cm Länge, während bei anderen die Jahresringe so eng aneinander liegen, dass ich sie kaum noch sehen kann. Das ist natürlich ein Riesenunterschied in der Elastizität. Deswegen ist die Holzauswahl und -bearbeitung so wichtig. Zwar kann man aus so ziemlich allen Holzarten eine tolle Gitarre bauen, aber je nach Bauweise und Auswahl der einzelnen Hölzer können sich die Klangeigenschaften der Hölzer stark verändern. Auch wenn die Regel besagt, dass Mahagoni die Mitten betont und Palisander die Bässe, entscheidend ist, was ich damit mache.“

 

Das Wissen um die akustischen Problemzonen

Mehr als 20 Jahre jagt Gfrerer nun schon den guten Klang. Um den Punkt zu finden, an dem der Gitarrenklang zu schweben scheint und in perfekter Ausgewogenheit den Raum auskleidet, kann es vorkommen, dass er eine Gitarre 300 Mal auseinander nimmt, ein winziges Detail ändert, und sie dann wieder zusammensetzt.

 

Mittlerweile weiß Gfrerer natürlich um die akustischen Problemzonen der Instrumente. Früher aber hat er manchen Fehler erst im Nachhinein erkannt. Schuld waren nicht seine Fähigkeiten als Gitarrenbauer, sondern seine Werkstatt, die mit 4 Meter hohen Decken und viel Holz (Gitarren, Parkett und Möbel) zu gut klingt um akustische Defizite aufzuzeigen. Für akustische Raumgestaltung ist Gfrerer kein Experte. Aber er hat einen entsetzlich klingenden Kellerraum. Dort muss nun jede Gitarre ihre Qualität unter Beweis stellen. 

 

Guter Klang ist eben erst komplex – und dann immer noch Geschmacks-
sache.

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